Twitter  18.08.2014

Wahnsinn in Twitter

Ungezügelte Twitter-Nutzung kann Wahnvorstellungen auslösen, wie der dramatische Fall einer 31-Jährigen zeigt, den die Berliner Charit nun in einer Studie aufgearbeitet hat.

Nach knapp einem Jahr intensiver Twitter-Nutzung wurde die Frau in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie hatte Suizidgedanken, Wahnvorstellungen und eine starke innerliche Unruhe. So sah sie versteckte Botschaften in 'Tweets' von prominenten Personen und glaubte diesen zwanghaft Folge leisten zu müssen.

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Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: Für normale User, ohne auffälliges Web-Verhalten, stellt Social Media keine beachtenswerte Gefahr dar. Beeinflussung durch Medien ist verankert in der Gesellschaft. 'Über soziale Netzwerke besteht ein direkter Kontakt zu den Stars, diese Form ist aber nicht neu. Früher fand die Beeinflussung durch traditionelle Medien wie die Bravo statt, heute zum Beispiel über das Facebook-Profil', so Marketing-Experte Hubertus Porschen gegenüber pressetext.

Ärzte kommen dennoch zu der Schlussfolgerung, dass es hauptsächlich die Spambots sind, die Nutzer durchaus in Psychosen treiben können. Twitter ist für diese Bots besonders anfällig, da eine klare Struktur der Plattform nur relational simple Programmierkenntnisse voraussetzt. Spambots, hinter denen sich keine realen Personen verstecken, können so programmiert werden, dass sie im Sekundentakt Meldungen versenden. Dieser Dauerbeschuss stellt eine potenzielle Gefahr für die psychische Gesundheit dar - bleibt aber ein seltenes Phänomen.

Immer öfter sind Soziale Netzwerke Hauptbestandteil von medizinischen Untersuchungen. Die Ergebnisse sind aber nicht immer negativ. Die University of Louisville hat herausgefunden, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen nun endlich die Möglichkeit haben, sich mit anderen Betroffenen über große Distanzen hinweg auszutauschen.

Die University of Missouri geht sogar davon aus, dass sich die mentale Gesundheit noch genauer definieren lässt, indem das Online-Verhalten beobachtet und analysiert wird. Des Weiteren wurde nachgewiesen, dass eine gemäßigte Webaktivität den Stresspegel der Nutzer senken und sich sogar positiv auf den Puls auswirken kann.

pte/red


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