Bleiben wir dazu einmal in Österreich, wo uns neueste Zahlen vom AIM vorliegen. Der AIM-C ist der 'Consumer'-Austrian Internet Monitor von Integral und damit die höchste Instanz, wenn es um Statistiken zur Internetbevölkerung in Österreich geht.
Der AIM weist bereits 76% der Österreicher als Internetnutzer aus - eine hohe Zahl. 61% davon verwenden Social Networks, 85% die weiter gefasste Welt des Web 2.0 mit den Foto-, Wiki- und Videoplattformen. Sogar drei Viertel geben an, regelmäßige Nutzer solcher Angebote zu sein.
Nun läßt sich streiten, ob die Nutzung von Youtube, die neuerdings auch zum Web 2.0 gehört, bereits zu 'Social Media' zu zählen ist. Und eine passive Nutzung ist noch lange kein aktiver Beitrag im Social Web. Doch Facebook zeigt, wohin die Reise geht: Von 22 auf 53% Steigerung der Nutzerschaft ist mehr als eine Verdopplung in einem Jahr. Und eine Verdreifachung der regelmäßigen Nutzer ist auch nicht ohne, selbst wenn der AIM die Regelmäßigkeit bereits bei monatlicher Anwendung ansetzt.
Andere Social Networks büßen dagegen in Österreich nutzer ein oder sind zumindest stagnierend dem Druck von Facebook ausgesetzt. Xing und Co. können nur zusehen, Twitter hat zumindest gute PR (bei wenig Usern: 11% waren schon mal dort, 2% nutzen es aktiv).
Die Österreicher sind bei Facebook, weil sie Kontakt halten wollen oder die Einladungsfunktion nutzen. Bei Youtube nutzen die User passiv (73%) und wenig aktiv (14%) die Video-Funktion.
Bestätigung auch aus UK
Soweit zu den Zahlen zur österreichischen Social Media-Nutzung. International ist der Fortschritt schneller, auch in diesem Segment. Nehmen wir Großbritannien zum Vergleich, wo heute neueste Hitwise-Zahlen veröffentlicht wurden, dann zeigt sich der Trend dort unaufhaltsam: Social Media hat soeben Suchmaschinen vom Platz 1 der meistgenutzten Plattformen verdrängt. Facebook statt Google ist da die Devise. 11,9% der Visits gehen zu Social Networks, 11,3% nur noch zu Suchmaschinen.
Unter den Social Networks wird auch dort Youtube geführt, aber Google hat in diesem Segment wenig zu melden. Facebook hat 55% der Visits der Social Networks, gefolgt von Youtube (16%) und Twitter (2%). Der Rest ist nicht bedeutend, selbst alte Größen wie MySpace, Microsoft und Yahoo haben in England keine Macht mehr.
Übertriebener Hype
Bei all dem Hype rund um Social Networks muss man aber die Kirche im Dorf lassen, insbesondere wenn es um die Nutzung der Medien für Unternehmen und das Marketing geht. Es findet ein Paradigmenwechsel statt vom 'Suchen' zum 'Social', das steht fest. Suchmaschinen müssen sich warm anziehen, um ihr Geschäftsmodell fortsetzen zu können.
Doch insgesamt spielt sich das Leben im Internet weiterhin auf Websites und Medien der klassischen Art ab. Wenn 23% der Visits auf Suchmaschinen und Social Networks fallen, dann sind es 77%, die in klassischen Websites und Onlinemedien bleiben. Und nur dort hat man mit klassischen Marketingmethoden auch weiterhin nicht nur Reichweite, sondern auch entsprechende Möglichkeiten. Bei allem Hype sind Hausaufgaben im Marketing also weiterhin zunächst einmal im traditionellen Web zu machen. Und die Werbeträger selbst haben alle Hände damit zu tun, ihre Leser zu binden - mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Web 2.0.