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Aufgedeckt: Google Adsense Klicktausch

Durch Zufall ist unsere Redaktion in ein Tauschnetzwerk gerutscht, welches den Betrug im Adsense-System von Google zum Zweck hat. Wir haben uns das genauer angesehen.

Klickbetrug bei Google Adsense kennt man schon: Eine auf einer eigenen Website eingebundenen Werbung bringt schließlich Geld und ein Klick darauf bei Google-Anzeigen kann wertvoll sein. Ein möglicher Missbrauch dabei ist das absichtliche Anklicken, um diesen Geldhahn anzuzapfen. Google hat etwas dagegen und tut alles, um das zu verhindern, wo es geht.

Brutaler Betrug der brachialen Art hat heute kaum mehr Chance auf Erfolg - Programme und manuelle Tests dürften solche Methoden rasch aufdecken helfen. Gut so, denn das Geld der Werbekunden bei Adsense wird dabei nämlich missbräuchlich eingesetzt und verbraucht, ohne Leistung als Gegenwert zu bringen. Die alte Geschichte von den für '100 Euro engagierten Chinesen' (andere Nationen - am besten möglichst weit östlich - sind nach belieben in der Story einsetzbar), die Mitbewerber 'wegklicken' oder eigene Einkünfte ankurbeln, sind heute kaum mehr denkbar. Um so erstaunlicher, wie weit eine neue Methode verbreitet scheint.

Was wir entdeckt haben, funktioniert anders. Hier werden möglichst viele möglichst unabhängige Personen eingespannt, die über Social Networks kommunizieren. Ziel ist es, eine natürliche Art der Nutzung einer Website zu simulieren und dabei 'so ganz nebenbei' auch noch Klicks auf Werbeformen zu machen, die dem Betreiber von Websites Geld bringen. Dabei fließt direkt kein Geld, sondern man tauscht Klicks aus.

Wie sind wir in ein solches Netzwerk hineingestolpert? Nun, zunächst waren da ganz normale Accounts bei Facebook und Xing. Wie wir später festgestellt haben, sind auch LinkedIn und Twitter gute Orte für Treffen der Betrüger. Wie andere User auch haben wir interessante Gruppen abonniert und Seiten zu den Favoriten der sozialen Netzwerke gelegt. Darunter waren auch einige, die sich mit dem Handel von Domains und dem richtigen Einsatz von Adsende beschäftigen. Dachten wir jedenfalls, denn Logos und Kurzbeschreibungen waren in Ordnung. Wirkten teilweise sogar 'offiziell' - nur Inhalt war kaum dahinter, wie wir nach dem Beitritt feststellten. Das alleine ist noch nicht komisch, viele Stellen in Facebook und co. sind verwaist.

Anhand der Mitglieder der Gruppen und der Art der Nutzung haben wir später aber einen Zusammenhang festgestellt. Plötzlich trudelten nämlich Angebote gehäuft über die interne Kommunikation im Social Network ein. 'this is my link... click my 2 ads and give me 30 impressions. send me your url i will do the same for you.' lautete eine, die stellvertretend für viele andere steht. Unser Profil im Netzwerk dürfte ein Erkennungszeichen beinhalten - wir tippen auf Gruppenzugehörigkeiten. Und anhand weiterer ähnlicher Profile auf tausende solcher User.

Das bedeutet nun, dass sich dort eine große Gruppe an Usern befindet, die sich im direkten Austausch gegenseitig Websites 'ganz natürlich' aufruft, dabei Werbungen klickt und Umsatz für den Betreiber macht. Im Gegenzug passiert das auch auf eigenen Portalen. Wir sind zwar nicht auf solche Angebote eingestiegen, um das nicht auch noch zu unterstützen, aber man kann sich die Tragweite ausmalen. Bei für diesen Zweck angelegten Fake-Websites mit 'teurem' Inhalt sind Klickpreise im Euro-Bereich möglich. So werden hier durchwegs die hochpreisigen Klickpreise angesprochen - Forex- und Aktienseiten liegen etwa hoch im Kurs. Kleine Blogs sind schnell erzeugt und Anzeigen bringen schnells und zuordenbare Umsätze.

Nehmen wir als Beispiel, dass ein User wie der obengenannte 1000 solcher Anfragen verschickt (anzunehmen, wenn man die Kontaktliste sieht). Machen 100 davon mit und produzieren je zwei Euro Einnahmen, hat der Betrüger mit einem Schlag 200 Euro eingenommen. Und 200 seine Gegenüber. 400 Euro, die gutgläubige Werbekunden wo anders investiert glauben. Und da das all diese User so handhaben dürften, gilt das für jeden (!) dieser User. Und das nur in einer der Gruppen - beim Recherchieren ist uns aber eine Vielzahl davon in verschiedensten Netzwerken aufgefallen!

Ein Rechenbeispiel für diese Gruppe bringt bei 100 Aktiven und 200 Euro an einem Tag 20.000 Euro Schaden. Sind diese an jedem Tag aktiv, so wären das über eine halbe Mio. Euro. Stellt sich nur die Frage, wie viele solcher Gruppen es gibt. Seriös beantworten kann man das kaum, offen gezeigt werden die meisten wohl auch nicht. Unser Zufallstreffer war eher 'Glück' als Normalfall.

Wie groß das Problem ist, weiss nur Google selbst. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Betrüger agieren, deutet auf mehr als nur eine Randerscheinung hin. Zentrum der Aktivitäten dürfte einmal mehr Indien sein, zumindest haben wir die meisten Kontakte von dort erhalten.

Zwei sind nun unter Zugzwang: Einerseits müssen ehrliche Webmaster solche Angebote wehement ablehnen - im eigenen Interesse, denn Google dürfte das Thema nicht besonders lustig finden und Betrüger richtig bestrafen. Zum Anderen aber muss Google hier seine Methoden zur Erkennung von Betrug schärfen. Denn die Masche dürfte bisher aufgehen. Wir haben es nicht probiert, aber es hat den deutlichen Anschein, dass die Klicks von Indern auf deutschen Websites und umgekehrt problemlos Geld bringen, solange die sonstige Nutzung halbwegs plausibel wirkt. Die Anfragen mit einer vorgegebenen Nutzung, einem Klick-Weg und einer Klickanzahl auf Anzeigen zeigen zumindest, dass sich die Betrüger einen Plan zurecht gelegt haben, der durchführbar ist.

Wir haben jedenfalls genug gesehen. Die betreffenden Gruppen mit 'Adsense' im Titel sind abgemeldet, die Anfragen sind abgebrochen. Selbst bestätigte 'Freunde' schreiben nun nicht mehr. Wir bleiben lieber in der heilen Welt und hoffen, dass allwissende Suchmaschinen auch diese Betrugsmasche aufdecken werden...

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

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Stichworte: mehr zu Klickbetrug Google Adsense



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